Rettungsinseln

Rettungsinseln im Strom Bild: H.Wang

Der Fluss des Lebens fließt nicht immer gleichmäßig dahin. Manchmal dümpelt man auf seinem kleinen Floß dahin und hat das Gefühl, nicht vorwärtszukommen. Manchmal gibt es im Leben aber auch Phasen, in denen der Fluss Fahrt aufnimmt und einen auf seinem kleinen Floß geradezu mitreißt. So lange man sich bei diesem schnelleren Tempo wohlfühlt, die schnelle Fahrt genießt und die Stromschnellen meistert, stellt sich kein Problem. Was aber, wenn das Tempo zu schnell für einen wird, wenn man durch die Kraft des Flusses herumgeschleudert wird und man das Gefühl hat, nur noch ein Spielball der Wellen zu sein, ohne die Möglichkeit korrigierend eingreifen zu können, um in ruhigere Gewässer zu kommen?
In diesen Momenten des Lebens ist es gut, wenn man weiß, wo Rettungsinseln zu finden sind. Rettungsinseln, die es einem erlauben, diesem vereinnahmenden Sog zu entkommen, anzulegen, abzuwarten, bis der Fluss wieder eine normale Geschwindigkeit angenommen hat. Eine solche Rettungsinsel, auf die man jeden Tag hüpfen kann, ist die Kraft der Rituale. Kleine persönliche Rituale, mit denen man den Tag beginnt oder die man in seinen Tagesablauf einbaut. Sie ermöglichen es einem, sich abzugrenzen, sich auszuklinken aus der ständigen Betriebsamkeit und seinen Tag so zu strukturieren, dass der Lebensfluss einen trägt, aber nicht fortreißt.

Birgit