Dishu

Dishu ist das chinesische Wort für Bodenkalligrafie. In einem Park der Universität Peking habe ich Dishu für mich entdeckt. Ein emeritierter Professor der Universität zeichnete mit langen Pinseln beidhändig wunderschöne Schriftzeichen mit Wasser auf den Gehweg im Park. Er wurde von vielen interessierten Mensch beobachtet und befragt.

Dishu Bodenkalligrafie Peking
Beidhändiges Dishu im Park der Universität Peking Bild: Hans-Peter Zehnter

Nach einiger Zeit zurück in der Heimat habe ich mich erneut mit dem Thema beschäftigt. Die Aspekte dieser Kunstform sind weitreichend. Dishu wurde Anfang der 90er Jahre in China populär und breitete sich von Peking über das ganze Land aus. Die schnelle Verbreitung steht in Verbindung mit der alternden Gesellschaft Chinas und der mehr und mehr verfügbaren Freizeit breiter Bevölkerungsschichten. Zudem ist die Ausübung von Dishu äußerst preiswert. Häufig werden aus  Borsten oder Schwämmen einfache selbst gebaute Pinsel verwendet. Mit Wasser und öffentlichen Plätzen als Zeichenmittel stehen kostenlose Ressourcen zur Verfügung. Nun ist die Bedeutung der Kalligrafie in China als Kunstform außerordenlich groß. Sie steht über allen anderen Kunstformen wie beispielsweise Musik oder Gemälden.  Gerade die ältere Bevölkerung Chinas pflegt diese Kunstform ausgiebig. Dabei schult die Bodenkalligrafie den Geist und Körper. Durch die mentale Verbindung mit den alten Meistern dieser Kunst, die mentale Konzentration und die Reise ins Innere ergeben sich nicht zuletzt auch spirituelle Aspekte. Und so ist die Popularität von Dishu nicht verwunderlich. Inzwischen werden Wettbewerbe und große Veranstaltungen organisiert.

Dishu in Deutschland
Mit diesem Projekt möchte ich versuchen, die Kunstform Dishu oder Bodenkalligrafie auch in Deutschland bekannter zu machen. Vielleicht ist der Zeitpunkt geeignet, ähnlich wie in den 90er Jahren in Peking, auch bei uns eine Bewegung zu schaffen, die Dishu über das Land trägt und in angepasster Form als Freizeitaktivität, Lebensphilosophie und Kunstform bekannt macht. Die chinesischen Schriftzeichen haben die wunderbare Eigenschaft, ästhetisch auszusehen und mit wenigen Strichen bedeutungsvollen Inhalt darzustellen. Dies ist mit unserem lateinischen Schriftsystem leider nicht gegeben. So braucht es noch einige Ideen und Kreativität, um Dishu an die westliche Welt zu adaptieren.

Dishu Bodenkalligrafie
Erste Zeichenversuche an der TU Dortmund mit einem gekauften Dishu Pinsel Bild: Hans-Peter Zehnter

Der Pinsel
Die ersten Dishu Versuche habe ich mit kompetenter Unterstützung durch Wen an der TU Dortmund unternommen. Dabei kam ein gekaufter Dishu-Pinsel zum Einsatz, den ich direkt aus China importiert habe. Diese Pinsel sind vom Gewicht her sehr leicht und auf verschiedene Größen anzupassen. Der Pinselschwamm muss regelmäßig in Wasser getränkt werden, um damit zeichnen zu können. So reicht eine "Aufladung" für 3 bis 5 Schriftzeichen. Diese Pinsel sind zwar praktisch, erfüllen aber weder mit dem eingesetzten Material noch mit dem langen Transportweg meine ökologischen Ideale.
So habe ich den ersten Selbstbauversuch mit einem einfachen Bambusstab, einem zugeschnittenen Autoschwamm und etwas Paracord Seil gestartet. Zum Gesamtpreis von 2 Euro ist so eine ansprechende Dishu Erstausstattung möglich.

Bild: H.P. Zehnter

Die ersten Zeichenversuche mit diesem Selbstbaupinsel sind vielversprechend. Eine umfangreiche Erprobung steht witterungsbedingt noch aus.       

 

Dishu-Interessierte können sich gern über die Kontaktadresse melden.

 

 

Dishu Galerie