Badetag

Zinkbadewanne
Bild: H.P. Zehnter

Den Erzählungen meiner Mutter zu Folge hatte sie am Familien-Badetag immer schlechte Karten. Dies lag wohl daran, dass die große Zinkbadewanne zu befüllen, damals eine aufwändige Prozedur war. Der Kohleofen musste zunächst angefeuert werden, dann wurden große Bottiche mit Wasser auf dem Ofen erhitzt, zum Schluss musste das Wasser zur Badewanne getragen werden. Bis die Badewanne einigermaßen gefüllt war, hatte man schon gut zu tun.
Verständlich, dass man diese Prozedur nicht bei jedem Badenden aufs Neue wiederholen konnte. Man badete der Reihe nach. Meine Mutter war das jüngste von fünf Kindern und kam somit als letztes in die Wanne.
Möglicherweise rührte daher auch ihre spätere Vorliebe fürs Baden. Davon wich sie auch nicht ab, als wir endlich durch den Umbau unseres Hauses ein neu angelegtes Badezimmer bekamen, diesmal mit einer Dusche. Obwohl alle Familienmitglieder von dieser neuen Errungenschaft begeistert waren, konnte das Duschen in meiner Mutter keine Anhängerin gewinnen. Um nichts auf der Welt wollte sie auf diesen Genuss verzichten: gemütlich in der Wanne zu liegen, jederzeit etwas heißes Wasser nachlaufen lassen zu können und nicht zuletzt der besondere Luxus, sich in ihrem eigenen Badewasser säubern zu können.
Birgit