Rettungsinseln

Rettungsinseln im Strom Bild: H.Wang

Der Fluss des Lebens fließt nicht immer gleichmäßig dahin. Manchmal dümpelt man auf seinem kleinen Floß dahin und hat das Gefühl, nicht vorwärtszukommen. Manchmal gibt es im Leben aber auch Phasen, in denen der Fluss Fahrt aufnimmt und einen auf seinem kleinen Floß geradezu mitreißt. So lange man sich bei diesem schnelleren Tempo wohlfühlt, die schnelle Fahrt genießt und die Stromschnellen meistert, stellt sich kein Problem. Was aber, wenn das Tempo zu schnell für einen wird, wenn man durch die Kraft des Flusses herumgeschleudert wird und man das Gefühl hat, nur noch ein Spielball der Wellen zu sein, ohne die Möglichkeit korrigierend eingreifen zu können, um in ruhigere Gewässer zu kommen?
In diesen Momenten des Lebens ist es gut, wenn man weiß, wo Rettungsinseln zu finden sind. Rettungsinseln, die es einem erlauben, diesem vereinnahmenden Sog zu entkommen, anzulegen, abzuwarten, bis der Fluss wieder eine normale Geschwindigkeit angenommen hat. Eine solche Rettungsinsel, auf die man jeden Tag hüpfen kann, ist die Kraft der Rituale. Kleine persönliche Rituale, mit denen man den Tag beginnt oder die man in seinen Tagesablauf einbaut. Sie ermöglichen es einem, sich abzugrenzen, sich auszuklinken aus der ständigen Betriebsamkeit und seinen Tag so zu strukturieren, dass der Lebensfluss einen trägt, aber nicht fortreißt.

Birgit

Markus und der Eimer der Befreiung

Ein Blecheimer mit Küchenessern gefüllt
Der Eimer der Befreiung Bild: H.P. Zehnter

Mein Freund Markus betreibt einen hübschen kleinen Laden im Dortmunder Kreuzviertel.

Markus liebt Messer. Und so verkauft Markus seine Lieblingsstücke für jeden Zweck. Messer für die Küche, für den Abenteurer, für die Rasur, für dies und das. Markus erkennt die schlecht rasierten Männer auf einen Blick. Das Werkzeug muss stimmen sagt er – sonst leidet die Männerhaut.

Kürzlich haben wir uns über Gott und die Welt unterhalten. Dazu muss man wissen – Markus ist auch eine soziale Institution im Viertel. Bei ihm laufen viele Drähte zusammen und man trifft sich gerne.

Häufig wird Markus von seinen Kunden nach der Qualität der mitgebrachten Küchenmesser gefragt. Bei guten Messern lohnt sich noch ein Nachschärfen.  Viele der begutachteten Messer landen aber in dem „Eimer der Befreiung“. Meist importierte Billigware. Die Aufarbeitung lohnt sich einfach nicht mehr.

Die Idee vom „Eimer der Befreiung“ fand ich genial - nun habe ich ihn auch bei mir Zuhause etabliert. Nicht für Messer, aber für alle alltäglichen Dinge, die mich eigentlich nur noch belasten. Alle paar Wochen wird der Inhalt abschließend entsorgt. Bis dahin kann ich es mir ja immer noch gut überlegen ….

Hans-Peter

Kein Wind

Bild: Hans-Peter Zehnter

Kein Wind kommt auf und bringt
willkommene Erfrischung in diese Schwüle,
wenn es auch nur für kurze Zeit wäre.
Die Luft steht,
die Hitze drückt einen nieder,
legt sich auf einen,
groß und mächtig,
so dass es kein Entkommen gibt.
Alles ist vereinnahmt,
keine Regung möglich,
selbst das Denken kommt zum Erliegen.
Nichts geht,
es bleibt nur Ohnmacht, aufgeben, kapitulieren –
welch unverhofftes Glück!

Birgit