Die Geschichte der Bienen

In der Rubrik "Birgits Bücherecke" werden interessante und lesenswerte Bücher vorgestellt. Gerne würden wir auch Cover Fotos der jeweiligen Bücher veröffentlichen. Aus urheberrechtlichen Gründen ist das derzeit nicht möglich. Kommentare zu der Buchbesprechung sind herzlich willkommen.

 

Die Geschichte der Bienen                          Maja Lunde

Kann man über das Bienensterben einen unterhaltsamen Roman schreiben, der einen als Leser*in nicht völlig frustriert zurücklässt? Maja Lunde hat sich in ihrem Buch dieser Thematik angenommen und herausgekommen ist ein vielschichtiger Roman, der mit großer Leichtigkeit zwischen verschiedenen Epochen hin- und herspringt und dem Leser/der Leserin Hoffnung gibt.

Mit drei Lebensentwürfen, die unterschiedlicher nicht sein können und zudem in unterschiedlichen Epochen angesiedelt sind, wird der Leser*in bekannt gemacht, allen gemeinsam ist ihr Bezug zu den Bienen.

Der Saatguthändler William ist die erste Figur, die einen mitnimmt ins England des 19. Jahrhunderts, wo William brav seine Familie ernährt, seine große Leidenschaft gilt aber der Wissenschaft, und besonders der Erforschung der Bienen.

Der Farmer George lebt im 21.Jahrhundert in Ohio, wo er als tradititionsbewusster Imker um die Wirtschaftlichkeit seines Betriebes kämpft und den Traum hegt, dass sein Sohn Tom eines Tages sein Lebenswerk übernimmt.

Der Roman beginnt jedoch mit der dritten Zeitschiene, die in China spielt, im Jahre 2098, wo eine junge Frau mit Namen Tao ihrer Arbeit nachgeht: Sie ist Blütenbestäuberin, denn die Bienen sind längst ausgestorben. Sie träumt von einem besseren Leben für ihren kleinen Sohn Wei-Wen.

Warum man dieses Buch lesen sollte:

Ein großes Plus dieses Romans ist die Leichtigkeit des Tonfalls, mit der dieses aktuelle Thema des Bienensterbens behandelt wird. Damit eignet er sich nicht nur zur Lektüre für Erwachsene, sondern auch Jugendliche können diesen Roman, wenn sie etwas geübt sind, problemlos verstehen. Dem Buch fehlt jeder belehrende Tonfall über mögliche Ursachen und Folgen des in Amerika verbreiteten „Colony Collapse Disorder“ und regt stattdessen den Leser/die Leserin selber zum Nachdenken darüber an, wie wir Menschen mit der Natur umgehen.

Darüber hinaus ist es aber auch interessant, die einzelnen Erzählstränge zu verfolgen, wobei man immer im Hinterkopf die Frage hat, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen diesen drei Leben.

Die Darstellung der Lebensumstände der Protagonisten ist spannend und anschaulich erzählt und basiert selbst bei der Erzählung, die in der Zukunft spielt, durchaus auf Fakten. Maja Lunde hat hier die Erfahrungen aus der Provinz Sichuan, dem größten Obstanbaugebiet Chinas, als Ausgangspunkt genommen, wo es keine Insekten mehr gibt und die Menschen mit Staubwedeln die Bestäubung der Blüten übernommen haben.

Das große Plus dieses Romans ist in gewisser Hinsicht aber auch ein kleines Manko. Manch eine/r mag sich daran stören, dass die Sprache zu leicht sei, der Satzbau zu wenig komplex, was vielleicht der Tatsache geschuldet sein kann, dass die Autorin sich als Kinder-und Jugendbuchautorin in Norwegen einen Namen gemacht hat, aber dieser Mangel scheint mir zu vernachlässigen zu sein, da der Roman einem viele schöne Lesestunden schenkt, die einen dazu bringen, über das Wesentliche des Lebens nachzudenken.

Birgit