Wege aus der Dinglichkeit

Dieses Foto zeigt das Gewölbe einer Klosterkirche
Gewölbe einer Klosterkirche im Burgund

In den letzten Ferien hat es meine Frau und mich nach Frankreich in das Burgund gezogen. Das Wetter hat sich ausnahmsweise von einer sehr schönen Seite gezeigt. Die Region ist geprägt von sehr alten Kirchen und Klöstern. Wir haben uns viele dieser uralten Bauwerke angesehen. Nun war ich eher zufällige einige Tage zuvor auf beeindruckende Worte eines indischen Gelehrten gestoßen. Er versuchte in einem Interview die Frage zu beantworten, warum solche sakralen Bauwerke überhaupt von den Menschen gebaut worden sind. Sein Antwortversuch ging mir bei den Besichtigungen immer wieder durch den Kopf. Der indische Gelehrte sieht uns Menschen umgeben von der dinglichen Welt, die wir mit unseren fünf Sinnen erfassen können. Diese dingliche Welt scheint uns heute als einzige Wahrheit. Für ihn schaffen kunstvoll errichtete Bauwerke wie Kirchen, Klöster und Tempel Räume, an denen diese als einzig empfundene Wahrheit dünn und transparent wird. Wir erahnen an diesen Orten eine weitere spirituelle Dimension. Die Bauwerke sind sozusagen als Durchgänge geschaffen, durch die man die dingliche Welterfahrung viel leichter verlassen kann. Mit kunstvoller Musik, Chorgesang und Meditation sind wir an solchen Orten in der Lage, in diese spirituelle Dimension einzudringen – sozusagen in eine andere Welt zu transzendieren. Bei unseren Besuchen hatte ich dieses schöne Bild immer vor Augen. Vielleicht werden mir mit einiger Übung auch später einmal solche Ausflüge aus der Dinglichkeit heraus gelingen. Wird nicht für alte, insbesondere hochaltrige Menschen diese dingliche Welthülle ohnehin immer durchlässiger? Sind nicht viele ihrer Erzählungen das Ergebnis dieser Reisen über die Grenzen des Dinglichen? Und wäre es nicht schön, viel mehr von diesen transzendenten Reiseerfahrungen zu hören?

Hans-Peter

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